Rezension

Wir alle können produktiver werden

Natürlich ist dies ein weiteres Buch mit Tipps zur Steigerung unser Produktivität. Aber um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin begeistert von diesem Buch. Der Pulitzer-Preis-Träger und Journalist der New York Times Charles Duhigg vermittelt aktuelle Erkenntnisse und Vorgehensweisen in gut recherchierten und spannend erzählten Geschichten. Dieses Business-Buch ist so gut geschrieben, dass man es mal liebsten in einem Rutsch auslesen möchte.

Produktivität darf nicht mit Effizienz verwechselt werden. Es geht nicht darum mehr und härter zu arbeiten. Sondern vielmehr, dass man sich nicht verzettelt, dass man Entscheidungen auf eine bestimmte Art und Weise trifft. In seinem Buch stellt Duhigg acht Ansätze vor – er startet mit dem Kapitel Motivation. Selbstmotivation können wir verbessern, wenn wir das Gefühl von Kontrolle haben. Wie bringen wir uns dazu Dinge zu tun, die schwierig sind, die wir uns selbst nicht zugetraut hätten? Die Belohnung von Initiativen ist hier ein mächtiges Werkzeug. Wir sollten Menschen zur Selbstmotivation beglückwünschen und es feiern, wenn sie und wir eigene Ziele erreicht haben.

Das Toyota-Produktionssystem setzte die Fähigkeit seiner Angestellten frei, Innovationen vorzuschlagen, indem es ihnen mehr Kontrolle zuteilte.

Duhigg unterscheidet zwischen Stretch Goals und SMART-Zielen. Stretch Goals sind langfristige Ziele, wie z.B. ein Buch zu schreiben. Um das Ziel beherrschbar zu machen wird es in SMART-Komponenten zerlegt. Stretch Goals helfen auch, das eigene Gefühl nach Entscheidungsfreudigkeit unter Kontrolle zu bekommen, damit man nicht nur noch Dinge tut, um sie erledigt zu bekommen, sondern sich auf das fokussiert, was einem wichtig ist

Bekannt geworden ist Charles Duhigg unter anderem auch mit seinem Bericht über das Google Projekt mit dem Codenamen Aristoteles. In seinem Kapitel über Teams erzählt er die Geschichte von Julia Rozovsky und dem People Analytics Team in aller Ausführlichkeit, das der Frage nachging, wie man die Teamleistungsfähigkeit bei Google verbessern kann. Oder provokanter gefragt: Wie stellt man das perfekte Team zusammen? 180 Google-Teams wurden analysiert, jede Menge Daten zu Persönlichkeitstypen, Fähigkeiten und Hintergründen gesammelt. Aber der „Wer“-Aspekt der Gleichung schien keine entscheidende Rolle zu spielen. Am Ende kristallisierten sich zwei Prinzipien heraus: Teams haben Erfolg, wenn alle das Gefühl haben, miteinander reden zu können. Und wenn die Mitglieder den Gefühlen anderer mit Achtsamkeit begegnen. So kann sich in einer Gruppe Vertrauen bilden oder: Psychologische Sicherheit, wie es bei Google genannt wird. Vertrauen aufzubauen ist Arbeit, es muss vorgelebt werden und ist kurzfristig vielleicht weniger effizient, langfristig aber produktiver.

In seinem Anhang präsentiert Duhigg den Lesern Ideen zur Umsetzung seiner acht Ansätze. Kurz und komprimiert finden sich hier Tipps zu: Wahlmöglichkeiten erkennen, Entscheidungen treffen, mentale Modelle durch Geschichten erzählen, Ziele formulieren, eine Team-Kultur etablieren und schließlich alle gesammelten Informationen in Entscheidungen einbetten. Das schönste an diesem Buch ist aber, dass es nicht gelehrt und theoretisch daherkommt, sondern alle Erkenntnisse in vielen und reichhaltigen Geschichten erzählt.

Charles Duhigg: Smarter, schneller, besser: Warum manche Menschen so viel erledigt bekommen – und andere nicht. Redline 2017.

Charles Duhigg: How to Build a Better To-Do List

PS: Bücher kaufe ich übrigens am liebsten vor Ort in der Buchhandlung meines Vertrauens.

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