Rezension

Make it so. Agile Retrospektiven

Das Buch „Agile Retrospectives“ von Esther Derby und Diana Larsen zählt bereits seit Jahren und zu Recht zu den Standardwerken in der agilen Literatur. Retrospektiven passen sehr gut in ein agiles Arbeitsumfeld, ist doch das Prinzip „Inspect & Adapt“ fest in Frameworks wie Scrum verankert. Es geht um die kontinuierliche Verbesserung der Produktivität, der Team-Fähigkeiten bei der Zusammenarbeit und nicht zuletzt die Verbesserung der Qualität.

Retrospektiven sind zunächst einmal ritualisierte Meetings, in der gemeinsam zurückgeschaut wird, wie man miteinander gearbeitet hat mit dem Ziel, konkrete Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren, die man anschließend nach der Retrospektive gemeinsam in die Tat umsetzen will. Da jeder von uns eine eigene und oft auch andere Wahrnehmung der Ereignisse hat, liegen die einzelnen Verbesserungsmaßnahmen nicht unbedingt auf dem Tisch. Es lohnt sich, das Vergangene sorgfältig aufzuarbeiten, bevor neue Aktionen beschlossen werden.

Derby und Larsen haben für die Retrospektiven eine spezifische und immer gleiche Struktur vorgeschlagen:

  1. Set The Stage. Eine wenige Minuten dauernde Einleitung in das Thema bei dem vor allem alle Teilnehmer zur Aktivierung einmal kurz das Wort erhalten sollen.
  2. Gather Data. Bevor Lösungen erarbeitet werden können, müssen die Fakten und Erlebnisse aufgearbeitet werden. Das sollte die vielleicht zeitintensivste Phase der Retro sein.
  3. Generate Insights. Hier geht es um das Warum? Was ist der Kern des Problems? Was sind die eigentlichen Ursachen?
  4. Decide What To Do. Das Team erarbeitet hier Maßnahmen bzw. kleine Experimente und entscheidet sich abschließend für einige wenige Aufgaben, die es in der nächsten Arbeitsphase umsetzen möchte.
  5. Close the Retrospektive. Wie sollen die Ergebnisse dokumentiert werden, wie werden die Maßnahmen verfolgt? Nicht zuletzt ist hier Raum für eine Bewertung der Retrospektive. Was lief gut? Was soll beim nächsten Mal verbessert werden?

Ein Großteil des Buches ist diesen fünf Phasen gewidmet. Insgesamt schlagen die Autoren 30 Übungen vor, die den Moderator bzw. Facilitator dabei helfen, seine Retrospektive gut vorzubereiten. Die einzelnen Übungen sind ausführlich beschrieben und immer gleich aufgebaut, was die Vergleichbarkeit sichert. Wer regelmäßig Retrospektiven ausrichtet wird dieses Buch früher oder später in Griffweite haben wollen.

Bei aller Praxistauglichkeit darf man gerade zu Beginn, wenn man erste Erfahrungen mit Retrospektiven sammelt, aber nicht vergessen, dass Retrospektiven einen Verbesserungsprozess in Gang setzen und halten wollen. Es lohnt sich, sein Team zu Beginn gut zu beobachten und im Vorfeld herauszufinden, welches Thema man fokussieren sollte und welche Übungen einen dabei unterstützen können. Damit eine Retro mehr ist, also nur eine lose Abfolge von netten Aktivitäten. Daher möchte ich hier ausdrücklich auch noch mal die Kapitel 2 und 3 empfehlen, bei denen es darum geht, wie man eine passende Retro zusammenstellt und diese dann durchführt. Auch und gerade nach nochmaliger Lektüre: Absolut empfehlenswert. Das ganze Buch natürlich!

Esther Derby und‎ Diana Larsen: Agile Retrospectives: Making Good Teams Great. Pragmatic Bookshelf 2006.

Esther Derby – Helping Agile Teams Diana Larsen – Futureworks Consulting

PS: Bücher kaufe ich übrigens am liebsten vor Ort in der Buchhandlung meines Vertrauens.

  1. Eine spannende und höchstanregende Ergänzung findet ihr unter https://retromat.org
    Von Corinna Baldauf, sipgate initiiert, kuratiert und laufend ergänzt. Über 100 Methoden und Übungen für eure Retro.

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