Rezension

Mindset. Verharre ich noch oder wachse ich schon?

Offensichtlich sind Menschen unterschiedlich. Wir denken anders, handeln individuell und jeder von uns macht dabei seine eigenen Erfahrungen. Einige wirken klüger, andere moralisch reifer. Schon lange streiten Experten darüber, ob diese Unterschiede genetische Ursachen haben oder ob vor allem unsere Ausbildung und Herkunft entscheidend sind. Heute sind viele der Ansicht, dass es kein einfaches Entweder-oder gibt.

Welche Einstellung unser Selbstbild prägt kann man gleich zu Beginn des Buches anhand einfacher Fragen erforschen. Welche Aussage teile ich?

  1. Ich bin zwar lernfähig, doch an meiner Intelligenz kann ich nichts ändern.
  2. Gleichgültig, wie intelligent ich bin, ich kann immer noch ein bisschen intelligenter werden.

Wir ahnen es bereits, Intelligenz scheint mehr einem Muskel zu ähneln, den man trainieren kann und muss, wenn man dauerhaft Erfolg haben will. Die Aufteilung der Welt in Starke und Schwache, Gewinner und Verlierer, Kluge und Dumme scheint nicht mehr hilfreich zu sein. Carol Dweck folgt dem Politologen Benjamin Barber wenn sie diesen zitiert: „Ich teile die Welt in Lerner und Nicht-Lerner ein.“ (S. 27) Oder in Menschen mit einem statischen oder dynamischen Weltbild, einem fixed oder einem growth mindset.

Statisches Denken offenbart sich in Glaubensätzen wie: „Entweder man hat Talent oder nicht“, „Kann ich das überhaupt lernen?“, „Ich bin ein Versager“ oder bei der Suche nach einem Schuldigen, der man natürlich nicht selbst ist. Der dynamisch Denkende kennt seine mehr oder weniger vorhandenen Talente, will diese aber weiterentwickeln. Er fragt sich nicht ob, sondern: „Wie kann ich das am besten lernen?“. Er kritisiert nicht Zustände, sondern Handlungen, wenn er formuliert: „Ich habe in der Situation versagt“. Es wird kein Schuldiger gesucht, sondern Verbesserungspotentiale.

So überzeugend das Schwarz-Weiß Bild daherkommt, so ist doch völlig klar, dass in jedem von uns beide Überzeugungen vorhanden sind und der Weg zu einem growth mindset nicht immer leicht ist. Die aktualisierte 2. Ausgabe wurde ergänzt um das Kapitel: „Ändern Sie Ihr Selbstbild: Ein Workshop“ mit vielen wertvollen Tipps für die eigene Entwicklung hin zu mehr Dynamik und Wachstum.

Selbstbild“, das Buch der Stanford-Professorin für Psychologie kommt überrascht unakademisch daher. Es liest sich flüssig und ist gefüllt mir vielen biografischen Beispielen aus dem (amerikanischen) Sport, Wissenschaft und Geschäftsleben, erzählt aber auch private Geschichten von Eltern, Partnern, Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig ist ein pointierter Einstieg in die Welt des Erfolgs mit vielen Literatur-Tipps. Erfolg? Eine Frage des Selbstbildes – das man stetig weiter entwickeln und wachsen lassen kann. Zu Recht heute schon ein Standardwerk, das oft und gerne zitiert wird.

Carol Dweck: Selbstbild. Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt.

Test your Mindset!

PS: Bücher kaufe ich übrigens am liebsten vor Ort in der Buchhandlung meines Vertrauens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.