Bericht

#pocamp, das Product Owner Camp 2017

Planung #pocamp. Bild: Thomas Suppes

Hoch oben im Silberturm, im Skydeck Frankfurt, dem kreativen Herzen der DB Systel fand das diesjährige Product Owner Camp 2017 am 25. und 26. August statt. Organisiert wird das #pocamp in Form eines Barcamps. Einige Teilnehmer haben Session- und Vortragsideen im Vorfeld bereits in einem öffentlichen Google Doc gesammelt. Die Inhalte der eigentlichen Konferenz wurden aber erst zu Beginn des ersten Tages umrissen, von den Initiatoren vorgestellt und anschließend in einem der zahlreichen Zeitslots organisiert und einem Konferenzraum zugeordnet. Bei ungefähr 160 Teilnehmern wurden schließlich knapp 50 Sessions angeboten.

Jeder Besuch einer Konferenz ist immer ein persönliches Erlebnis. Es kommt auf uns selbst an, welche Angebote wir wahrnehmen, welche Themen wir aktiv verfolgen und schließlich auch, in welche spannenden Gespräche wir uns vertiefen. Das gilt erst recht für Barcamps, diesen Unkonferenzen, die ja eigentlich nur aus strukturierten Pausen bestehen. Dies sind also meine ganz persönlichen Schlaglichter.

Business Matters

Mein erstes Highlight ließ nicht lange auf sich warten. Dr. Klaus Leopold, Kanban-Pionier und Autor von Standardwerken zum Thema konnte zwar nicht live dabei sein, hielt aber via Skype seinen Vortrag im gut gefüllten Auditorium. Er berichtete von einem Unternehmen mit über 600 Mitarbeitern, die im Rahmen einer agilen Transition komplett agil geschult und umgestellt wurden. 16 externe Coaches fanden hier Arbeit. Signifikante Verbesserungen stellten sich allerdings nicht ein. Es nutzt wohl nichts, einfach nur viele agile Teams zu haben. Der Wert liegt in der agilen Interaktion zwischen den Teams. Und hier lag der Mangel: Es wurde in allen Teams auf etwas von außen zu lieferndes gewartet. Probleme, die Klaus Leopold identifizierte:

  • no management of interactions between teams
  • no end-to-end management of the value creation chain
  • no agile strategic portfolio management

Entscheidend für die Lösung ist die Etablierung eines Strategic Portfolio Managements. Oder: Erst das Management agilisieren, dann die Teams. Dazu gehört, gezielt ein Work-in-Progress-Limit setzen, um die Initiativen zu begrenzen. Wer an zu vielen Baustellen gleichzeitig arbeitet steht sich oft nur selbst im Weg.

Download Präsentation von Klaus Leopold

Wie Columbo bei Konfliktlösungen hilft

Der Kommunikationstrainer und Managementberater Conrad Giller hatte gleich zwei Sessions zur Konfliktlösung im Angebot. Inspektor Columbo liefert die Folie, an der Giller seine Tipps entwickelt:

  1. Trage die Fakten zusammen. Und vertraue deinem 7. Sinn.
  2. „Ach, eine Frage hätte ich noch…“ Stelle offene Fragen.
  3. Beachte die Emotionen! Konflikt = Meinungsverschiedenheit + Emotion.
  4. Gib dem anderen einen guten Grund mit dir zu reden.
  5. Erleichtere dem anderen die Kooperation.
  6. Wirf den Stein ins Wasser und warte ab, was passiert.
  7. Gerade wenn es eng wird bleibe sachlich.

Spannend wurde es auch am zweiten Tag bei der von ihm angebotenen Live-Session zur Konfliktlösung. „Akzeptiert die mentale Verfassung des Anderen.“ Aber vor allem muss jeder für sich selbst seine eigene Einstellung klären: Love it, leave it, or change it. Wenn ich mit einer Situation nicht zufrieden bin, muss ich etwas ändern. Wenn das nicht geht, kann auch mal der Jobwechsel eine Lösung bedeuten.

Link zu www.conradgiller.de

Community of Trust

Was macht Teams erfolgreich? Muss man einfach nur die richtigen Menschen zusammen bringen? Arbeiten Introvertierte besser als Extrovertierte oder muss man miteinander befreundet sein, um die besten Ergebsnisse zu erzielen? Hias Wrba arbeitete am Ende seines kulturgeschichtlichen Streifzug heraus, dass Google in Rahmen des Projekts Aristotle zum Schluss gekommen ist, dass all diese Faktoren nicht entscheidend sind. Wichtig ist ein Gefühl von “Psychological Safety”. Sind die Redeanteile in unserem Team gleich verteilt? Schauen wir uns beim Sprechen in die Augen? Existiert Wertschätzung und wird diese gelebt? Seinen Talk schloss Hias mit Tipps ab:

  • Be nice – assume good intentions
  • Be provocable – stand your ground
  • Dont be envious – nobody has to win
  • Don‘t try to be too clever – no method is an end in itself
Zur Präsentation von Hias Wrba

Wie sieht agile Führung aus?

Robert Gies nahm uns in seiner Session mit auf eine historische Reise durch die Meilensteine der Agilität – von ZEN über KAIZEN, Scrum bis hin zu den Frameworks, die agiles Arbeiten in großen Organisationen sicher stellen sollen. Der Weg in Richtung agiles Arbeiten und guter Führung beginnt aber bei der inneren Einstellung:

  1. Ein Leader ist ein guter Coach.
  2. Ein Leader befähigt anstelle zu kontrollieren.
  3. Ein Leader interessiert sich für das Wohlbefinden und die Erfolge.
  4. Ein Leader ist produktiv und ergebnisorientiert.
  5. Ein Leader informiert und hört aufmerksam zu.
  6. Ein Leader unterstützt bei der Karriere-Entwicklung.
  7. Ein Leader hat eine klare Vision und Strategie.
  8. Ein Leader besitzt das notwendige Fachwissen um bei Problemen zu helfen.

Agilität ist die Kunst, souverän mit Veränderungen umzugehen. Also eine Arbeitsweise, die Veränderung als Normalität betrachtet.

Kernthemen des Leaders sind:

  • Kommunikation
  • Orientierung
  • Potenzialerkennung
  • Befähigung
  • Coaching
  • Motivation

Wenn ihr euch für das Thema Führung interessiert, schaut euch unbedingt die Folien von Robert an.

Zur Präsentation von Robert Gies

„Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser“

#pocamp: Simon & ThomasJede Konferenz soll uns bereichern und auch helfen, alte Denkweisen zu verändern. Kontrolle macht in einer prozessgetriebenen Fertigungsweise mit definierten Prozessschritten sicherlich Sinn. Wer Agilität besser verstehen will, für den dreht Robert Gies das alte Sprichwort von dem „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ kurzerhand um.

Dies sind natürlich nur ein paar Schlaglichter und spiegeln vor allem Inhalte aus Talks wieder. Daneben wurde viel diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht und Lösungen zusammen erarbeitet. Ein rund herum gelungenes Barcamp zu agilen Themen zu dem auf jeden Fall die gekonnte Organisation von mayflower erheblich beigetragen hat! Ein ganz großes Lob für eure Arbeit! Und Danke an alle Teilnehmer für euren zahlreichen Input.

Link zum productowner.camp
Bilder: Thomas Suppes
  1. Schöne Zusammenfassung Deiner persönlichen Eindrücke, vielen Dank dafür 🙂

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