Rezension

Komplexithoden

Buch-Cover: Komplexithoden

Komplexität ist so wie das Wetter: Weder gut noch schlecht, sie ist einfach da. Man kann sie nicht managen oder sie reduzieren, aber man kann darauf vorbereitet sein: durch Können und Methoden. Komplexithoden sind Werkzeuge für eine dynamische Welt voller Menschen und Überraschungen und unterscheiden sich radikal von den meisten Methoden, die eher Schablonen gleichen und mit denen sich wiederholende, komplizierte Aufgaben schnell und effektiv lösen lassen. Komplexithoden erhöhen die „Beziehungsdichte“ und sichern im entscheidenden Moment einen Dialog zwischen den Beteiligten. Sie sind untrennbar von der menschlichen Interaktion, das Werkzeug selbst wird zweitranging.

Komplexithoden ist ein Businessbuch. Und es kommt angenehm schlank daher. Seine Seiten sind bunt gestaltet und mit vielen Grafiken und einer spielerischen Aufmachung versehen. Es macht Lust zu stöbern und auf Entdeckungsreise zu gehen. Doch so einladend es seine Seiten öffnet – es sind wir Leser, von denen einiges an Denkbewegungen abverlangt wird. So wird der Theorie X und Y gerade einmal eine Seite gewidmet. Und während wir noch den X in unseren Kollegen wittern, also den nur durch Kontrolle und Gehalt zu motivierenden Arbeiter, so waschen uns die Autoren in gerade einmal fünf Sätzen den Kopf. Es gibt nur den sich selbst motivierenden Y-er, der nach Selbstentfaltung und Kreativität strebt. Alles andere ist ein Vorurteil. Wer bezeichnet sich denn auch selbst gerne als träge und Hierarchie-gläubig?

Nach einer kompakten Einführung werden im Hauptteil dann die einzelnen Komplexithoden vorgestellt. Aber Vorsicht! Wer auf schnelle Hilfe im Berufsalltag hofft wird vielleicht zunächst enttäuscht. Die Autoren schildern Ansätze, die scheinbar vielem widersprechen, was wir im Arbeitsalltag erleben. Sie zeichnen eine Welt jenseits von fixierten Zielen und Gehältern, die in zentralen Steuerungsabteilungen erdacht und zur Umsetzung freigegeben werden. Bei allem kurzweiligen Stöbern lohnt es sich daher sehr, sich mit den Gedanken einmal vollständig vertraut zu machen. Und weil es sich hierbei um reale, umsetzungsfähige Konzepte handelt, findet sich hinten im Buch eine Liste mit Unternehmen, die bereits erfolgreich mit Komplexithoden arbeiten.

Dieses Buch ist eine Einführung, ein Start in eine Welt, in der auf Augenhöhe gearbeitet wird. Jedes Kapitel ist ein Sprungmarke und lädt zur Vertiefung ein. Eine erst schlanke Literaturliste weist den weiteren Weg. Empfehlen möchte ich auf jeden Fall die Videos von Niels Pfläging. Oder am besten, man nutzt die Chance, den Keynote-Speaker einmal selbst live erleben zu können. Die markanten Thesen der Komplexithoden regen zum diskutieren an. Und dafür ist der Autor immer gerne zu haben. Für die menschliche Interaktion jenseits starrer Schablonen.

Pfläging, Nils und Hermann, Silke: Komplexithoden. Clevere Wege zur (Wieder)Belebung von Unternehmen und Arbeit in Komplexität. Redline 2015.

YouTube: Nils Pfläging

PS: Bücher kaufe ich übrigens am liebsten vor Ort in der Buchhandlung meines Vertrauens.

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